2.9.05

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Unsere Kinder! Posted by Picasa

Ein Tag in unserem Leben…


Entschuldigt bitte den Mangel an Updates in letzter Zeit! Wie ihr euch wahrscheinlich vorstellen könnt, geht’s hier im Moment – gelinde gesagt – ziemlich hektisch zu!

Die ersten drei Kinder (Amol, Poonam und Mahesh) kamen schon am 21. Juni 2005 an und hatten ein bisschen Zeit, sich der neuen Umgebung anzupassen, bevor die anderen drei Kinder aufgenommen wurden. Die paar zusätzlichen Tage waren für Poonam, Mahesh und Amol sehr gut, da die Eingewöhnung ins Heim für die drei eine grosse Herausforderung darstellte.

Die drei älteren Jungs (Basraj, Akash und Sanjay) standen dann Montag Nacht vor der Tür. Sie waren alle barfuß und hatten eine Plastiktasche bei sich, in der sich zwei Paar viel zu grosse Hosen, zwei Paar Shorts und ein T-Shirt befanden. Diese Sachen teilten sie sich zu dritt!! Wir mussten mit den (barfüssigen) Kindern also zuerst Schuhe kaufen gehen, damit wir mit ihnen überhaupt ein Kleidungsgeschäft betreten durften...

So begann in den letzten paar Wochen unser Zusammenleben als eine grosse, glückliche Familie...

Drei Tage nach der Ankunft von Poonam, Mahesh und Amol gab es einen kleinen, nervenaufreibenden Zwischenfall. Die drei liefen vom Heim weg, da nach ein paar Tagen die „Feriencamp-Stimmung“ verflogen war und ihnen klar wurde, dass sie im Heim Regeln befolgen sowie Disziplin zeigen mussten. Sie wollten ausserdem weder zur Schule gehen noch zu Hause lernen müssen, da ihnen das Lernen im Vergleich zum aufregenden Leben auf der Strasse zu langweilig war.

Mehrere Sozialarbeiter versicherten uns, dass dieses Verhalten für Straßenkinder relativ typisch ist, dennoch war das für uns wenig Trost zu dieser Zeit. Gottseidank kamen die Kinder noch am selben Tag zurück (sie waren zurück in den Slum gelaufen) und haben sich jetzt nach ein paar Wochen gut eingewöhnt.

Mittlerweile haben die Kinder beachtliche Fortschritte in allen Bereichen gemacht! Sie sagen „bitte“, „danke“ sowie „entschuldigung“ und warten mit dem Essen, bis jeder etwas am Teller hat. Nach dem Essen waschen sie ihre Teller und Becher selbst. Sie wisse, dass der Wäschekorb nur für Schmutzwäsche ist und helfen ein bisschen im Haushalt mit (zB.: Müll hinaustragen, Wäsche von der Leine holen, ...). Jedes Kind bekommt eine kleine Aufgabe im Haushalt und kann dann in einer Liste ein Häkchen machen, wenn die Aufgabe erledigt ist. Dabei wechseln sich alle Kinder bei den verschiedenen Aufgaben ab – funktioniert super!

Unsere Schützlinge haben auch schon irrsinnig viel dazugelernt, was Alltagstätigkeiten betrifft! Alle sechs wissen mittlerweile, wie man sich die Zähne putzt, wie man einen Seifenspender bedient, wie man auf eine Toilette geht (!!) und vieles mehr. Die Anpassung an ein geordnetes Leben verläuft soweit also prima...

Ich bin mit sicher, dass viele Eltern (auch meine) dies hier mit einem Grinsen lesen werden und sich denken werden „Siehst du jetzt was wir mit dir und deinen Geschwistern alles durchgemacht haben??“ ....ich verspreche euch aber, dass DIESE Kinder eine weit grössere Herausforderung sind, als ich es JE war!! Es sind GUTE Kinder, nur hat ihnen nie jemand beigebracht wie wichtig es ist, eine Ausbildung zu absolvieren, die Schule fertig zu machen und ein geregeltes Leben zu führen. Ausserdem sind sie es weder gewohnt, Anweisungen und Regeln zu befolgen, noch in einer Familienartigen Umgebung zu leben, wo sie nicht ein und aus gehen können, wie es ihnen beliebt. Sie verstehen noch nicht, dass sie frisch gestrichene Wände nicht einfach mit Filzstiften bekritzeln dürfen und dass man nach dem Benutzen der Toilette spülen muss. Fünf Minuten still sitzen ist für die meisten extrem anstrengend – dadurch werden die täglichen Englischeinheiten im Heim zu einem riesigen Fiasko! Die Kinder wuchsen alle in einer Welt auf, in der Gewalt an der Tagesordnung stand und waren Alkohol, Drogen und Missbrauch ausgesetzt (stellt euch vor – einige unserer Jungs haben regelmässig Alkohol getrunken und alle haben Tabak gekaut!). Oft haben wir den Eindruck, dass die Kinder ausschliesslich gehorchen würden, wenn wir harte Schläge anwenden würden. Dies ist ausgesprochen problematisch, da wir bei der Erziehung natürlich nie Gewalt anwenden würden! Unsere „time-outs“ (die Kinder müssen, wenn sie etwas angestellt haben, ein paar Minuten still an der Wand sitzen) beeindrucken die Kids wenig – sie gehorchen nicht immer, da sie wissen, dass sie nicht mehr als ein paar ruhige Minuten erwarten...

Jemand hat mich gefragt, ob ich vielleicht den typischen Tagesablauf im Heim beschreiben könnte. Ich muss sagen, dass das eigentlich eine sehr schwierige Aufgabe ist, da die Kinder ja eben erst gekommen sind und wir noch keiner festen Routine folgen. Jeden Tag gibt es wieder ein paar Mini-Krisen zu bewältigen und es geht manchmal doch drunter und drüber.

Wie dem auch sei, der Tag beginnt für uns um ca. 8:30 morgens (hiermit sind wir absolute Glückspilze, da wir die Kinder in den ersten zwei Wochen in eine Englischsprachige Schule eingeschrieben hatten, die um 7 Uhr Früh begann...für uns hieß das spätestens um 6 Uhr Aufstehen...jeden Tag...*Igitt*). Um diese Zeit wecken uns die Kids und wir machen ihnen Frühstück. Die Kinder putzen sich die Zähne, essen (es gibt Toast mit Butter und Marmelade, Früchte und indischen Tee „Chai“) , dann gibts eine Dusche für die Jungs (Poonam ist die einzige, die sich abends duscht). Diese Reihenfolge (Zähneputzen, essen, duschen) wird von den Kindern peinlichst eingehalten...uns wurde gesagt, dass aus dieser Routine in Indien eine Wissenschaft gemacht wird (die ich persönlich als abergläubischen Mumbo-Jumbo ansehe, aber wir lassen die Kinder nach ihrer Überzeugung handeln...). Sobald alle gegessen und geduscht haben, gehen wir hinüber in die andere Wohnung, um zwei Stunden lang mit den Kids Englisch zu lernen. Wir haben seit neustem eine zweite Wohnung, die wir gemietet haben, um mehr Platz für die Kinder sowie Wohnraum für freiwillige Helfer zu schaffen. Wir haben darin ein Büro für uns, ein Klassenzimmer und ein Spielzimmer für unsere Schützlinge sowie einige Räume für die Freiwilligen, die für längere Zeit als Sozialhelfer bei uns bleiben. In den letzten Tagen haben wir angefangen, die Wohnung zu putzen sowie sie einzurichten. Das Klassenzimmer sieht schon super aus – darin gibt es eine Tafel, einen Schrank, ein Bücherregal für Lernmaterialien sowie Matten für die Kinder (in Indien ist man es gewöhnt, für alle Tätigkeiten einfach im Schneidersitz auf dem Boden zu sitzen...Matten sind zum Lernen allerdings etwas bequemer).

Unsere Englischnachhilfe hat bisher wirklich viel geholfen. Viele der Kinder können nicht lange still sitzen, deshalb versuchen wir, unseren Unterricht sehr abwechslungsreich zu gestalten. Momentan sind wir genausoviele Freiwillige und Vorstandsmitglieder wie Kinder, deshalb bekommt jedes Kind noch Einzelunterricht. Der Einzelunterricht ist toll, da wir die Stärken und Schwächen eines jeden Kindes individuell berücksichtigen können (ahem...wie z.B. die von Akash, der nach fünf Tagen intensivstem Pauken noch immer verzweifelt und erfolglos versucht, sich die Namen und die Schreibweise der verschiedenen Farben zu merken...*grins*). Generell haben die Kinder beim Englischlernen allerdings schon Riesenfortschritte gemacht – die Kinder lernen viel vom täglichen Englischunterricht und müssen auch mit uns so viel wie möglich sprechen. Manchmal sehen wir uns alle zusammen einen Film auf Englisch an (ach wie gut, dass es Disneyfilme gibt!!), so gestalten wir teilweise unsere Abende im Heim.

Geeta, unsere Köchin/Betreuerin, kommt um ca. 10 Uhr morgens ins Heim und fängt an, das Mittagessen zuzubereiten. Wir bringen die Kinder um ca. 11:30 vom Englischunterricht zurück in die Hauptwohnung um zu essen...danach fängt das chaotische Fertigmachen für die Schule an (die Kinder suchen verlorene Bleistifte, Poonam braucht 20 Minuten um sich die Haare zu flechten, alle ziehen sich die Schuhe an und kontrollieren, ob auch alle Bücher in der Schultasche sind...wir füllen inzwischen ihre Wasserflaschen und Jausenboxen und machen den Abwasch). Um 12:15 laufen wir aus dem Haus und fahren per Rikscha zur Schule (die Schule ist jenseits vom Fluss und zu weit weg, um zu Fuss zu gehen). Wir haben diese Schule gewählt, da sie eine der wenigen öffentlichen Schulen ist, an die Jungs und Mädchen gleichzeitig gehen können. In den meisten Schulen haben Mädchen von 7h morgens bis Mittag Schule und Buben von 12:30 bis 17:30...dies würde für uns das Leben ziemlich schwer machen, da wir dann den gemeinsamen Englischunterricht nicht mehr halten könnten und ausserdem den ganzen Tag lang Kinder zur Schule bringen und abholen müssten.

Nachdem wir die Kinder um 12:30 zur Schule gebracht haben, haben wir Vorstandsmitglieder immer ein wenig Freizeit. Meistens haben wir allerdings nicht wirklich „frei“, da es immer bürokratische Angelegenheiten sowie Einkäufe und Allerlei zu erledigen gibt. Wir schreiben lang notwendige E-mails, füllen Formulare für die Kinder aus und kümmern uns um administrative Angelegenheiten. Geeta fängt um ca. 16:00 and, das Abendessen vorzubereiten und wir helfen ihr dabei, so gut wir können. Normalerweise schneiden wir Gemüse klein, schälen Kartoffeln und helfen bei anderen Kleinigkeiten. Jackie (eine freiwillige Helferin aus den USA) möchte unbedingt indisch kochen lernen und sieht Geeta jeden Tag mit grossem Eifer zu.

Um 17:15 fahren zwei von uns mit einer Rikscha zur Schule, um die Kids abzuholen. Manchmal schaffen wir es sogar, auf dem Rückweg alle in eine Rikscha zu passen (das sind 6 Kinder und 2 Erwachsene!!!)...um ca. 17:45 sind wir dann wieder daheim mit der ganzen Bande...die Kinder sind immer hyperakiv und erzählen uns von der Schule. Meistens reden sie ziemlich durcheinander weil sie so aufgeregt sind...

Geeta macht dann gleich Chai (indischen Tee) und die Kinder bekommen Chai und Kekse als Snack. Nach etwa 6 Uhr Abends gehen wir mit allen raus, um mit den Kindern Fussball, Volleyball, Kricket oder Baseball zu spielen. Seit wir ein paar Frisbees gekauft haben, sind die Kids auch begeisterte Frisbeespieler geworden! Dabei werfen sie die Frisbee einfach so hoch wie möglich in die Höhe und schreien ganz laut „Wahuuuuu!“ – ein Riesenspass für uns alle!

Jackie, die freiwillige Helferin aus den USA, macht mit den Kindern ein Sportprojekt und bringt ihnen viele Tänze und Spiele bei. Meistens beteiligen wir uns alle daran – das festigt die Bindung zwischen uns und den Kindern enorm.

Zwischen 19:00 und 19:15 gehen wir alle zurück ins Haus und die Kinder spielen noch bis zum Abendessen oder machen ihre Hausaufgaben. Das Abendessen ist um 20:00 (für uns ist das ziemlich spät, allerdings wollen die Kinder so spät essen, da es in Indien so üblich ist) und danach versuchen wir, die Kinder verschiedene Kleinigkeiten (Müll hinaustragen, kehren, ...) erledigen zu lassen. Dann wird noch gespielt und manche Kinder bereiten sich schon auf den nächsten Schultag vor. Um etwa 21:15 fangen wir die „Bettgeh-Prozedur“ an...wir schicken die Kids Zähneputzen und umziehen (bisher hatten wir mit dem Umziehen die grössten Probleme – die Kinder hatten noch nie mehrere Kleidungsstücke und verstehen nicht, wieso sie sich zum Schlafen etwas anderes anziehen müssen als tagsüber...ausserdem können sie sich den Unterschied zwischen Pyjamas und Tagesbekleidung nicht merken und wir gehen meistens mit nach oben, um ihnen die richtigen Klamotten zu zeigen). Um etwa 21:45 gehen die Jungs ins Bett (sie schlafen alle in einem Zimmer) – allerdings schlafen sie lange nicht ein. Für uns beginnt mit dem Bettgehen der Kinder die nervenaufreibendste Zeit des Tages, da die Jungs immer und immer wieder versuchen, Krach zu machen und aus dem Zimmer zu schleichen. Poonam ist das einzige Mädchen bisher und hat deshalb auch noch ein eigened Zimmer. Sie ist ruhiger als die Jungs und wir lesen mit ihr abends noch Bücher, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Diese Lesezeit möchten wir auch bald bei den Buben einführen...momentan haben wir allerdings genug Probleme, sie überhaupt zum Liegenbleiben und zum Schlafen zu bringen.

Um 10:30 schlafen die Kinder dann alle und wir sind zu diesem Zeitpunkt meistens so müde, dass wir auch ins Bett gehen. Nachts gibt es manchmal noch kleine Störungen - Mahesh ist Bettnässer, Amol schlafwandelt, Poonam fürchtet sich und will nicht allein in einem Bett schlafen (sie kommt mitten in der Nacht, um sich in eins unserer Betten zu kuscheln) ...

UUUUUND das wars auch schon...ein typischer Tage im Leben der Heimbewohner der Ashraya Initiative! Bleibt dran....bald gibts noch mehr Neuigkeiten und Updates von uns!!

1.9.05


Info Folder Seite 1 Posted by Picasa

Info Folder Seite 2 Posted by Picasa

Einladung zum Vortrag! Posted by Picasa

24.8.05


Julia & Akash Posted by Picasa

Die Ashraya Betreuer Liz, Zahra, Amber, Geeta und Julia Posted by Picasa

Englischunterricht Posted by Picasa

Ashraya Team: Zahra, Amber, Jackie und Liz (Amol hinten) Posted by Picasa

Juli & die Jungs beim Lernen Posted by Picasa

Die Kids beim Zeichnen und Basteln Posted by Picasa

Juli & Mahesh beim Lernen Posted by Picasa

Poonam & Mahesh beim Zaehneputzen Posted by Picasa

Liz und die Jungs auf dem Weg zur Schule Posted by Picasa